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16.04.2010

Dow Live Earth Run For Water

Dow Chemical ist das Unternehmen, das sich seit vielen Jahren weigert, seiner Verantwortung für das verseuchte Grundwasser im indischen Bhopal nachzukommen. Stattdessen betreibt es nun Greenwashing in großem Stil als Sponsor einer weltweiten Demonstration für das Recht auf Wasser. Dazu hat Amnesty International folgende Erklärung abgegeben:

Dow kann nicht von Bhopal weglaufen, indem es den ‘Run For Water’ sponsert

Das Unternehmen Dow Chemical Company (Dow) kann nicht von seiner Verantwortung für die anhaltenden Auswirkungen des Bhopal-Gasunglücks von 1984 weglaufen, indem es als Sponsor des Live Earth "Run for Water" auftritt, sagte Amnesty International heute.

Tausende Menschen starben und mehr als 100.000 leiden weiterhin an schweren gesundheitlichen Problemen als Folge des todbringenden Austritts von toxischen Chemikalien aus einer Union-Carbide-Pestizidfabrik in Bhopal, Indien. Dow wurde im Jahr 2001zu hundert Prozent Eigentümer der Union Carbide Corporation (UCC).

Seitdem haben Überlebende und Menschenrechtsgruppen gefordert, dass Dow sich um die anhaltenden Auswirkungen der Katastrophe kümmert, einschließlich der Verunreinigung des Wassers durch chemische Abfälle. Doch das Unternehmen hat diese Forderungen stets ignoriert und jede Verantwortung für die Hinterlassenschaften von UCC in Bhopal geleugnet.

Am 18. April sponsert Dow eine Reihe von Laufveranstaltungen rund um den Globus, die von der Umwelt-Organisation "Live Earth“ organisiert wird, um das Bewusstsein für das Problem der Wasserknappheit zu schärfen.

"Eine Veranstaltung zu sponsern, die auf die Wasserknappheit aufmerksam machen soll, und zugleich die anhaltenden Probleme mit dem Zugang zu sauberem Wasser, medizinischer Versorgung u. a. in Bhopal zu ignorieren, ist bestenfalls Heuchelei. Im schlimmsten Fall ist es ein eklatanter Versuch von Dow, sein Image reinzuwaschen" , sagte Audrey Gaughran, Director of Global Issues bei Amnesty International.

"Dow mag versuchen, den Altlasten von Bhopal zu entfliehen, aber es darf ihm nicht gestattet werden, sich hinter dem Sponsoring des ‚Run for Water’ zu verstecken."

Seit mehr als 25 Jahren haben es sowohl die indische Regierung als auch die beteiligten Unternehmen versäumt, sich mit den Menschenrechtsverletzungen zu befassen, die zum dauerhaften Erbe des Gasunglücks gehören.

"Bhopal wirft grundlegende Fragen über die Rechenschaftspflicht von Unternehmen auf, auch hinsichtlich der Fähigkeit und Bereitschaft der Regierungen, Menschenrechtsverletzungen, die von Unternehmen ausgehen, zu verfolgen", sagte Audrey Gaughran.

"Seit Jahren haben die Regierung von Indien, UCC und Dow bei der Frage der Verantwortung ständig den Schwarzen Peter weitergereicht, während die Menschen in Bhopal darum kämpfen mussten, auch nur elementare Erleichterungen wie die Versorgung mit sauberem Wasser zu erreichen."

Amnesty International hat Live Earth dazu aufgerufen, das Sponsoring zu überdenken, wenn Dow sich nicht öffentlich verpflichtet, dass es sich an der bevorstehenden Säuberungsaktion der Regierung in Bhopal beteiligt. Dow hat dies nicht getan.

Amnesty International teilt die Besorgnis von Live Earth über die Auswirkungen des Klimawandels und hält es ebenfalls für dringend notwendig, Maßnahmen zum Schutz der Menschenrechte zu ergreifen, einschließlich des Rechts auf Wasser. Aber die Organisation befürchtet, dass das Sponsoring durch Dow die Glaubwürdigkeit der Live Earth "Run for Water"-Veranstaltungen ernsthaft gefährdet.

"Unternehmen müssen begreifen, dass sie der Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen in einem Bereich nicht entgehen können, indem sie sich an anderer Stelle positiv engagieren. Menschenrechtsverletzungen können nicht durch gute Werke des Unternehmens ‚gegengerechnet’ werden", sagte Audrey Gaughran.

"Der einzige Weg für Dow und UCC, um endlich die Altlast von Bhopal zu entsorgen, ist der, zusammen mit den betroffenen Gemeinden und der Regierung von Indien in vollem Umfang und effizient die menschenrechtlichen Auswirkungen der Katastrophe anzugehen."

Hintergrund

Kurz vor Mitternacht am 2. Dezember 1984 entwichen Tonnen giftiger Gase aus der Pestizidfabrik der Firma Union Carbide in Bhopal, Zentralindien. Etwa 500.000 Menschen waren dem Giftgas ausgesetzt. Zwischen 7.000 und 10.000 Menschen starben unmittelbar nach dem Unglück, weitere 15.000 sind in den folgenden 20 Jahren gestorben.

Mehr als 100.000 Menschen leiden noch heute an Gesundheitsproblemen, haben aber keinen Zugang zur notwendigen medizinischen Versorgung. Das liegt auch daran, dass fast 25 Jahre später die Unglücksstelle noch immer nicht dekontaminiert ist. Ausgelaufene Chemikalien und Abfallmaterial verschmutzten das Grundwasser, von dem Tausende von Menschen für die Trinkwasserversorgung und den Haushaltsgebrauch abhängen. Es gibt bis heute keine ausreichenden staatlichen Untersuchungen über das Unglück und seine Auswirkungen. Und die Überlebenden warten bis heute auf Schadensersatz und Entschädigung für das erlittene Unrecht.

Dow hat stets jegliche Verantwortung für die Verbindlichkeiten von UCC in Bhopal geleugnet. Im krassen Gegensatz dazu akzeptierte Dow die mit Asbest zusammenhängenden Verbindlichkeiten von UCC in den Vereinigten Staaten, die auf das Jahr 1972 zurückgehen.

Amnesty International arbeitet mit Organisationen wie der International Campaign for Justice in Bhopal zusammen, um den Überlebenden und Aktivisten bei der Einklagung von Gerechtigkeit und Verantwortlichkeit zu helfen und die seit 25 Jahren andauernden Menschrechtsverletzungen zu beenden.

Während ihrer Kampagne für eine angemessene Reinigung, Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Versorgung, Entschädigung und Übernahme der Verantwortung haben Gruppen von Überlebenden und Unterstützern, darunter Kinder und Menschen mit Behinderungen, immer wieder den 800 Kilometer langen Marsch von Bhopal nach New Delhi angetreten.

Mehr als 100 Überlebende von Bhopal lancieren heute einen unbefristeten Protest in New Delhi, um die indische Regierung zur Lösung der Probleme in Bhopal zu drängen.

Amnesty Internationals Arbeit zur Katastrophe von Bhopal ist Teil ihrer Demand-Dignity-Kampagne, mit der ein Ende der Menschenrechtsverletzungen gefordert wird, die Armut verursachen und sie vertiefen. Die Kampagne mobilisiert Menschen auf der ganzen Welt, die fordern, dass Regierungen, Unternehmen und andere, die über Macht verfügen, auf die Stimmen derjenigen hören, die in Armut leben, und ihre Rechte erkennen und schützen.

Am 26. März 2010 schrieb Amnesty International an Live Earth, um Besorgnis über das Engagement von Dow beim "Run for Water" auszudrücken. Die Organisation hat keine Antwort auf dieses Schreiben erhalten.