Amnesty International Indien Koordinationsgruppe

Impressum | Login

Indien Koordinationsgruppe

StartseiteOrissa

11.02.2010

Orissa: REGIERUNG MUSS AUSBAU VON RAFFINERIEN STOPPEN

Im ostindischen Bundesstaat Orissa bedrohen Bauxit-Minen und Aluminiumoxid-Raffinerien die Existenz der Dongria Kondh. Die indischen Behörden haben die indigenen Gemeinschaften irreführend und unvollständig über die Auswirkungen geplanter Projekte informiert. Amnesty International veröffentlichte am 9. Februar 2010 den Bericht "Don't Mine Us out of Existence" über die Auswirkungen einer Aluminiumoxid-Raffinerie, die von einer Tochtergesellschaft des britischen Unternehmens Vedanta Resources in Orissa betrieben wird: Luft- und Wasserverschmutzung bedrohen die Gesundheit der Anwohner sowie deren Zugang zu sauberem Wasser.

"Die Menschen leben im Schatten riesiger Raffinerien, atmen verschmutzte Luft und haben Angst, Wasser aus dem Fluss zu trinken, der eine wichtigste Quelle der Wasserversorgung ist", sagte Ramesh Gopalakrishnan, Südasien-Experte bei Amnesty International. "Es ist schockierend wie diejenigen, die am stärksten von dem Projekt betroffen sind, am wenigsten informiert werden."

Die Adivasis (Indigene), die Dalit sowie Frauen und andere marginalisierte Gruppen in der abgelegenen Gegend um die Raffinerie, berichteten Amnesty International, dass die Behörden ihnen sagten, die Raffinerie würde aus der Gegend ein neues Mumbai oder Dubai machen.

Die staatliche Aufsichtsbehörde Orissa State Pollution Control Board hat Luft- und Wasserschmutzung durch die Vedanta Aluminium Raffinerien in Lanjigarh dokumentiert. Auch Amnesty International befand die Verschmutzung als gesundheitsbedrohend für die Menschen in der Stadt am Fuße der Niyamgiri-Hills. Noch hat es allerdings keine wissenschaftlichen Untersuchungen über die gesundheitlichen Auswirkungen gegeben. "Wir haben immer im Fluss gebadet, doch nun habe ich Angst meine Kinder dorthin zu bringen. Meine Söhne bekamen beide Ausschlag und Fieberblasen", erzählt eine Bewohnerin aus dem betroffenen Gebiet. Viele solcher Berichte hat Amnesty International in dem Bericht dokumentiert.

Trotz dieser Befunde und der empfindlichen Umwelt, in der sich die Raffinerie befindet - nah an Fluss und Dörfern - überlegt die Regierung einem Antrag stattzugeben, der die Versechsfachung der Raffinerie-Kapazität bedeuten würde. Weder die indischen Behörden, noch Vedanta haben den lokalen Gemeinden ihre Informationen über die Tragweite der Umweltverschmutzung sowie deren mögliche Auswirkungen, zur Verfügung gestellt.

Außerdem plant die Orissa Mining Corporation gemeinsam mit einer weiteren Vedanta Resources -Tochtergesellschaft den Bau einer Bauxit-Mine in der Nähe der Niyamgiri-Hills. Diese Mine bedroht die Existenz der Dongria Kondh, die bereits seit Jahrhunderten in dem Gebirge leben. Die indigene Gemeinschaft betrachtet das Gebirge als heilig, ist außerdem existentiell auf die Hügel angewiesen: sie sind Quelle für Nahrung, Wasser, Lebensunterhalt und kulturelle Identität. Bisher hat die Regierung noch keine Bemühungen angestellt, die freie, auf vorheriger Information begründete Zustimmung der Gemeinschaft einzuholen - obwohl das internationale Recht es so vorschreibt.

Ein Angehöriger der Dongria Kondh sagte Amnesty International: "Wir haben gesehen, was anderen Adivasis (indigenen Völkern Indiens) passiert, die gezwungen werden ihr Land zu verlassen: sie verlieren alles." Die Menschen in Orissa zählen zu den Ärmsten in Indien, ihre Gesundheit ist von den Umweltverschmutzungen durch die Raffinerien bedroht. Beschwerden werden jedoch sowohl von den Unternehmen als auch von der Regierung in Orissa ignoriert. Ramesh Gopalakrishnan erklärt: "Mit den Betroffenen wurden irreführende Gespräche geführt. Jetzt sind es ihre Leben und ihre Zukunft, die auf dem Spiel stehen."

Amnesty International fordert von der indischen Regierung Vedanta Resources die Garantie, die Raffinerie-Ausweitung und Bergbaupläne zu stoppen, bis alle bestehenden Probleme gelöst sind. Außerdem fordert Amnesty International grundlegende Gespräche mit den betroffenen Menschen sowie den Einsatz der indischen Behörden für eine freie und auf vollständigen Informationen beruhende Einigung mit den Dongria Kondh.

Der vollständige Bericht kann hier abgerufen werden: http://www.amnesty.org/en/library/asset/ASA20/001/2010/en/0a81a1bc-f50c-4426-9505-7fde6b3382ed/asa200012010en.pdf